Nachsaison

Das war ein langer Sommer!
Schade, dass wir ihn nicht so nutzen konnten, wie wir es gerne getan hätten. Immerhin konnten wir immer mal wieder für 3-4 Tage an Bord. An diesen Tagen haben wir auch ausgiebig gesegelt. Es war aber eher so wie früher auf dem Steinhuder Meer, den ganzen Tag ohne Ziel segeln, bummeln und genießen und am Abend zurück in die eigene Box, jetzt eben zurück in den Westhafen von Wismar.
Letzten Donnerstag sind wir wieder zum Boot, nach fast 6 Stunden waren wir zum Abend vor Ort. 

Der nächste Tag beginnt gewohnheitsgemäß früh und wir haben Glück mit dem Wetter und dem Wind. Ein munterer Südwest schiebt unsere RASMA angenehm raus. Traditionell fällt unsere Entscheidung für das Tagesziel bei uns immer etwa auf der Höhe von Timmendorf/Poel.
Das machen wir diesmal auch wieder so.
Die Sonne scheint und der Wind ist so schön aus der richtigen Richtung, wir freuen uns auf Kühlungsborn. Es ist ein herrlicher Spätsommertag.


Die große Marina - in der Hochsaison oft gnadenlos überfüllt- ist angenehm leer. Wir bekommen problemlos einen schönen Platz. Das Anlegemanöver gegen den Wind fährt Ingrid wieder souverän. Ich genieße das eiskalte "Anlegerbier," die Temperatur im Hafen ist tatsächlich über 30 Grad.
Wir ziehen uns um und gehen in den Ort. Es ist zwar belebt auf den Straßen, aber nicht voll. Sehr angenehm! Als der Hunger kommt, besuchen wir das uns bereits bekannte griechische Restaurant in einer Seitenstraße. Wir können bei diesem wunderschönen Wetter sehr gut draußen sitzen und lassen uns Zeit.
Auf dem Rückweg zum Boot entschließen wir uns noch ein Glas Wein im "Vielmeer" zu trinken. Aus diesem einem Glas Wein wird ein langer Abend mit bester Livemusik, Tanz und guter Stimmung bei lauen Temperaturen wie am Mittelmeer.

Den nächsten Tag brauchen wir zur Regeneration und bleiben in Kühlungsborn. Mehr als ein Strandspaziergang als Aktivität gibt es heute nicht.

Dabei merkt dann doch: es ist Nachsaison!


In der Box neben uns liegt ein junges Paar mit einem alten Segelboot, einer Contest 33, Baujahr ungefähr 1970. Da dieses Boot, genau wie unseres, typisch für den holländischen Werftbau ist, komme ich mit dem Skipper ins Gespräch. Die beiden verbringen das erste Jahr auf dem Boot und haben noch ihren ganzen Jahresurlaub vor sich. Ziel? Unbekannt, sie lassen sich treiben. Ganz schön klug von den jungen Leuten. Das haben wir damals nicht gemacht und zu oft versucht, ohne Rücksicht auf uns und das Wetter eine vorher geplante Route durchzuziehen.
Im Alter sind wir ja nun klüger.
Heute entscheidet wieder der Wind. Unser Boot kann bis etwa 40 Grad an den Wind segeln, das würde für Grömitz reichen. Ich programmiere den Autopilot so, dass er genau 45 Grad Amwindkurs hält und so stabil in die richtige Richtung steuert. Die Funktion "Windsteuerung" (Vane) ist eine feine Sache. Wir fahren damit stabil immer den bestmöglichen Kurs zum Wind, 
ohne dass wir die Segel neu einstellen müssen.
Das klappt hervorragend, nur das letzte Stück zum Yachthafen Grömitz werfe ich den Motor an und steuere den Rest per Hand.
Grömitz hat Platz, genau wie in Kühlungsborn sind viele Gastliegeplätze frei.
Schön! 

Ingrid sucht sich eine Box und wir erleben wieder ein perfektes Anlegemanöver. Es ist merkwürdig, wenn die Manöver so gut laufen sieht es keiner, aber wehe, es geht was daneben, dann ist der Hafen voller Sehleute, die ihre Kommentare abgeben. 
Es folgt: festmachen, aufklaren, Strom legen und ein eiskaltes Bier, wie immer halt.
Falkenthal mit seinem Fischrestaurant liegt direkt am Ende unseres Stegs und wir machen es uns dort gemütlich. Wir besprechen unsere Situation und mit Blick auf den Wetterbericht für die nächsten Tage, beschließen wir 2 Nächte hier zu bleiben. Unser Liegeplatz ist ok, die Duschen sind hier angenehm, Einkaufsmöglichkeiten gibt es auch und der Wind soll am nächsten Tag nicht gut passen. Zurück nach Wismar will ich auch noch nicht.
Wasser haben wir bereits in Kühlungsborn gebunkert und Diesel werden wir tanken, wenn wir Grömitz verlassen. Ich fülle lieber noch den Tank vor der Winterpause auf. 
Aber an den Winter will ich noch nicht so richtig denken.
Es wird nämlich ein richtig warmer Sommertag. Über 30 Grad, die Kinder spielen im Wasser und die Strandkörbe füllen sich. Herrlich, was haben wir für ein Glück! Wir spazieren durch Grömitz, machen Pausen auf Parkbänken, besuchen die Kirche und den Geldautomaten. Ein Kaffee auf der Promenade und ein Wein mit einigen Leckereien im Bistro Santé Weinlounge am Yachthafen, es geht uns gut hier in Grömitz.
Am nächsten Morgen müssen wir dann doch zurück. Wir tanken und setzen gleich nach der Hafenausfahrt die Segel. Die elektronische Windsteuerung funktioniert auch heute wieder tadellos. Was uns allerdings Sorgen macht, ist der Umstand, dass RASMA sehr langsam ist. Es fühlt sich an, als ob wir behindert sind. Leider kann ich nicht unter das Boot schauen, ob wir etwas am Kiel mitziehen, ein Seil, Netz, Plastik usw. Die 26 Seemeilen Fahrt nach Wismar wird trotz bis zu 7 Windstärken deshalb sehr lang, selten fahren wir schneller als 4 Knoten.


Mal sehen was der Grund für die "Behinderung" ist...

Sommersegeln vor Poel

Die Nacht war gut, lange haben wir nicht mehr so gut geschlafen, es ist immer wieder erstaunlich wie ruhig es in den meisten Häfen ist. An unserem Steg haben am gestrigen Abend noch einige Gastcrews mit ihren Booten festgemacht, trotzdem ist kaum etwas zu hören. Was waren die Abende in den Häfen doch früher lebhaft, mittlerweile sind fast nur Segler im Rentenalter - so wie wir- unterwegs und die sind eindeutig ruhiger.

Wir starten gleich morgens nach dem Frühstück so gegen 8:00 Uhr. Noch ist kein Wind, und so fahren wir langsam unter Motor raus in die Bucht.
Vor der MV-Werft hat seit ein paar Tagen ein Kreuzfahrtschiff festgemacht. Es ist die LIBRA-Superstar aus China, laut Hafenmeister wird sie in den nächsten Wochen hier in Wismar überholt. Genaueres wusste er leider nicht ,und meine Suche im WWW war auch nicht erfolgreicher.
Mit nur etwa 2,5 Knoten Geschwindigkeit nähern wir uns langsam der Insel Walfisch. Diese Insel ist ein Vogelschutzgebiet und darf von Normalsterblichen nicht betreten werden. Der NABU unterhält einen Beobachtungsposten auf der Insel, wir können allerdings nicht erkennen, ob dort tatsächlich jemand sitzt und die Vögel zählt.
die weissen Punkte sind alles Schwäne im seichten Wasser vor der Insel Walfisch
Durch mein Bemühen möglichst nah an die Insel heranzukommen, verliere ich etwas die Orientierung. Ich vergesse auch auf die Instrumente zu schauen. Allerdings bemerke ich, dass das Wasser sehr klar ist, ich kann jeden Seegrashalm am Grund erkennen. Ich will gerade Ingrid darauf aufmerksam machen, als mir dabei plötzlich bewusst wird: wir werden gleich auf Grund laufen, es ist seeeehr flach!
Glücklicherweise fährt RASMA nur mit geringer Geschwindigkeit, und deshalb setzen wir ganz sanft auf und stehen fest. Wind und Welle gibt es ja heute nicht, eigentlich könnten wir so liegen bleiben und uns den Anker sparen. Ein schöner Platz zum Sonnenbaden und Schwimmen, es ist nämlich auch ziemlich warm heute. In der Sonne haben wir über 30 Grad und Schatten haben wir hier keinen.
Mir wird allerdings noch wärmer, als ich merke, wie schwer es wird, wieder mit RASMA in freies Wasser zu kommen. Vor lauter Aufregung lege ich versehentlich auch noch den Vorwärtsgang ein, und wir sitzen noch fester! Behutsam lege ich den Rückwärtsgang ein und steigere nach und nach die Drehzahl. Dabei muss ich mit viel Kraft das Ruder halten, da der Druck auf das Ruderblatt durch die Schraube sehr stark wird. Nach endlosen Minuten bewegt sich RASMA zentimeterweise in die richtige Richtung, zurück in das tiefere Wasser. Entspannung setzt bei mir ein, und wir nehmen Kurs auf Kirchdorf/Poel. Noch immer ist es nahezu windstill.
Mittlerweile bin ich sehr konzentriert und achte auf die Wassertiefe und die Fahrwasser-betonnung. 

Kirchdorf auf Poel ist in Sicht.
Vor Kirchdorf ist es in der Fahrrinne gerade mal knapp 3 Meter tief und schon knapp daneben ist an vielen Stellen nicht mal mehr ein Meter. Einmal auf Grund laufen reicht mir!
Der Gasthafen in Kirchdorf ist noch sehr voll, es ist ja auch noch recht früh am Vormittag. Viele sitzen noch beim Frühstück. So belassen wir es bei einer langsamen "Hafenrundfahrt".

Eigentlich wollen wir ja auch segeln!

Ingrid ist es zu heiß an Deck.


von uns unbemerkter Schnappschuss 

Ingrid geht unter Deck, und ich setze statt der Segel trotzig den Sonnen-schirm und überlasse es RASMA einen Kurs zu finden.

Mit weniger als 1 Knoten treiben wir mit der geringen Strömung nun in Richtung Timmendorf. Mir bleibt dabei nur immer mal Ausschau zu halten, manchmal kommt ja doch ein anderes Boot in Sichtweite. Einer der Segler passiert uns und fotografiert unbemerkt die treibende RASMA. 
Das Foto bekomme ich später zugeschickt.
Danke an Jürgen Gehrmann, der wohl mit seinem Boot auch in der Wismarer Bucht unterwegs war.

Gegen 14:00 Uhr kommt Wind auf, 2-3 Windstärken lassen uns doch noch segeln. Ein Genuss und der Wind kühlt auf angenehme Weise! RASMA kommt bei so wenig Wind nur auf 3-4 Knoten, und ich denke wieder einmal über einen Gennaker oder Code Zero nach. So ein Leichtwindsegel hätte was! Auf der kleinen RASMA hatten wir einen Gennaker und konnten damals gute Erfahrungen damit machen. Zum Einsatz kam das große, bunte Vorsegel allerdings relativ selten. Aus Ingrids Sicht ist das schon ein starker Grund auf das sehr teure Extra zu verzichten.

Powersegeln von Poel zurück nach Wismar

Die knapp 7 Seemeilen zurück zu unserem Liegeplatz im Westhafen von Wismar gehen kurzweilig vorbei, und wir belohnen uns am frühen Abend mit einem guten Essen im Restaurant OberdeckUrlaub halt.